Verhütungsmittelberatung

 

Eine individuelle, differenzierte und aktuelle Beratung zu Fragen der Verhütung erfolgt in der  Frauenarztpraxis. In der Lebensphase ca. vom 14. bis zum 50. Lebensjahr stellt sich das Thema Verhütung. Für welche Methode man sich entscheidet hängt von verschiedenen Faktoren ab, z.B.: 

  • Alter
  • Vorerkrankungen
  • Lebensplanung
  • Sicherheitsaspekt
  • praktische Gesichtspunkte
  • religiöse/ethische Ansichten 

Bei der Beratung muß auf die momentane Lebenssituation, auf die verschiedenen Methoden und unterschiedlichen Anwendungspraktiken sowie auf die Kosten eingegangen werden. Die Kosten für Verhütungsmittel übernehmen die Krankenkassen bei Mädchen und jungen Frauen bis zum Beginn des zwanzigsten Lebensjahr. Danach müssen die Kosten der Verhütung selbst getragen werden.

 

Es gibt die folgenden unterschiedlichen Verhütungsmethoden:

  • natürliche Maßnahmen
  • chemische Verhütungsmittel
  • mechanische Methoden
  • hormonelle Verhütung
  • Sterilisation
  • Pille danach

a) natürliche Maßnahmen

Zu den natürlichen Maßnahmen gehört die Messung der Basaltemperatur. Diese ist hormonabhängig und ändert sich nach dem Eisprung.

Man misst täglich morgens vor dem Aufstehen zur gleichen Zeit nach einer mindesten 6-stündigen Schlafphase die Körpertemperatur unter der Zunge oder im After. In der ersten Zyklushälfte vor dem Eisprung liegt sie zwischen 36,5°C und 37,0°C. Nach dem Eisprung steigt sie an, die unfruchtbare Zyklusphase beginnt.

Die Messung ist unsicher bei Temperaturerhöhungen anderer Ursache wie z.B. Infektionskrankheiten, Alkoholgenuss usw..

 

 

Bei der Zeitwahlmethode nach Knaus-Ogino enthält man sich an den fruchtbaren Tagen. d.h. kein Verkehr zwischen dem 9. und dem 17. Zyklustag.

Bei der Billings-Methode wird der Zervikalschleim beobachtet. Je nach Konsistenz des Schleims kann auf fruchtbare oder unfruchtbare Tage zurückgeschlossen werden.

All diese natürlichen Methoden gelten als unsicher und können beim Wunsch nach einer sicheren Verhütung nicht empfohlen werden.

b) chemische Verhütungsmittel "SPERMIZIDE"

Chemische Verhütungsmittel gibt es in Form von Zäpfchen (Ovula), Tabletten, Creme oder Gel. Alle enthalten Stoffe (Spermizide genannt), die die Samenzellen abtöten oder zumindest deren Fortbewegungsmöglichkeit hemmen. Chemische Verhütungsmittel werden vor dem Geschlechtsverkehr in die Scheide eingeführt (bei Zäpfchen und Tabletten dauert es mindestens 10 Minuten, bis sie durch die Körperwärme geschmolzen und voll wirksam sind). Die samenabtötenden Wirkstoffe reichen nur für einen Samenerguss aus.

Vorteile

Einfach anzuwenden, leicht erhältlich. Braucht nur bei Bedarf angewendet zu werden.

Nachteile

In der Scheide oder am Glied können unangenehme Empfindungen (Wärmegefühl, Brennen) auftreten (möglicherweise vertragen Sie ein anderes Präparat besser).
Die "Wartezeit" von 10 Minuten und die Notwendigkeit wiederholter Anwendung kann als lästig empfunden werden. Die chemischen Wirkstoffe werden teilweise durch die Scheidenhaut in den Körper aufgenommen. Eine dauerhaft schädigende Wirkung für den Körper ist bisher nicht festgestellt worden. Eine lokale Schädigung der Scheidenschleimhäute oder eine Scheidenentzündung ist jedoch möglich und muss dann ärztlich behandelt werden.

Zuverlässigkeit

Die alleinige Anwendung chemischer Verhütungsmittel ist sehr unsicher und deshalb nicht zu empfehlen. Sie sollten immer nur mit einem Diaphragma kombiniert werden. Die gleichzeitige Anwendung von chemischen Verhütungsmitteln und Kondomen wird nicht empfohlen.

Zugänglichkeit

Chemische Mittel sind ohne ärztliches Rezept in Apotheken und Drogerien zu kaufen.

 

c) mechanische Methoden

Das Kondom

Das Kondom ist das einzige Verhütungsmittel - außer der Sterilisation- für Männer. Es bietet darüber hinaus Schutz vor vielen sexuell übertragbaren Krankheiten.

Die Spirale 

Die Spirale bietet eine sehr sichere Empfängnisverhütung, ohne dass man täglich daran denken muss. Grundsätzlich sind zwei verschiedene Arten der Spirale als Schwangerschaftsverhütung zu unterscheiden:

Die Kupferspirale

Die Spirale ist ein kleiner, zarter meist T-förmiger Plastikkörper, dessen senkrechter Arm mit einem feinen Kupfer-Silber-Draht umwickelt ist. Zum Ertasten und Entfernen der Spirale befindet sich am unteren Teil der Spirale ein Kunststofffaden.

Der Schwangerschaftsschutz der Spirale beginnt sofort nach der Einlage. Die Spirale verhindert das Aufsteigen der Spermien durch die Gebärmutterhöhle zum Ei. Dadurch kommt es erst gar nicht zur Befruchtung. Falls dies in Ausnahmefällen doch eintritt, wird durch die Spirale die Einnistung eines befruchteten Eies verhindert. Die Spirale greift nicht in den Hormonhaushalt ein.

Die Einlage erfolgt nach einer gynäkologischen Untersuchung während der ersten Tage einer Menstruation. Dazu wird die Spirale in einem dünnen sterilen Plastikröhrchen durch die Scheide und durch den Muttermund in die Gebärmutterhöhle eingeführt.

Sie kann jederzeit entfernt werden, die meisten Modelle können bis zu 3 Jahre liegen bleiben.

Die Hormonspirale

Im Unterschied zur Kupferspirale besteht die Hormonspirale aus einem kleinen hormonfreisetzenden Zylinder, der mit dem T-förmigen Kunststoffteil verbunden ist.

Aus dem Zylinder wird das Hormon Levonorgestrel jeden Tag  gleichmäßig in geringen Mengen in die Gebärmutter abgegeben. Dies führt zur verhütenden Wirkung, außerdem werden die Monatsblutungen während der Anwendung schwächer und weniger schmerzhaft.

Die Hormonspirale kann maximal 5 Jahre liegen bleiben.

 

d) Hormonelle Verhütung 

Die Präparatepalette der hormonellen Verhütungsmittel ist heutzutage enorm. Es gibt sie in Tablettenform, wobei zwischen reinen Gestagenpräparaten (Minipille) und Östrogen-Gestagen-Mischpräparaten (Micropille) unterschieden wird, als Depotpräparat in Spritzenform (Drei-Monats-Spritze) und als Stäbchen, das in den Oberarm implantiert wird (Implanon). Seit Februar 2003 ist noch ein Kunststoffring, der in die Scheide eingeführt wird und die Hormone dorthin abgibt, erhältlich. 

Am bekanntesten ist wohl die Micropille. Diese gibt es als Ein- oder als Mehrphasenpräparat, das heißt, das Verhältnis Östrogen/Gestagen bleibt in jeder einzelnen Tablette gleich oder es ändert sich abhängig von der Zyklusphase. Allen gemeinsam ist, dass sie regelmäßig einmal täglich 21-24 Tage lang eingenommen werden und dann eine Einnahmepause von 4-7 Tagen eingehalten wird, in der die Menstruationsblutung stattfindet. Manche Präparate sehen in der Pause eine weitere Einnahme einer wirkungslosen Tablette (Placebo) vor, so dass die Einnahme nicht unterbrochen werden muss. 

Die Pille wirkt, indem sie in den normalen Hormonhaushalt der Frau eingreift. Der Hauptangriffspunkt ist der Regelkreis zwischen Eierstock und Hypophyse im Gehirn. Die Hormonausschüttung aus der Hypophyse wird unterdrückt, womit der Eisprung verhindert wird. Auch andere Mechanismen werden unterdrückt. Für diese Wirkungen der Pille ist vor allem der Gestagenanteil verantwortlich. Der Östrogenanteil regelt den Zyklus und damit die Menstruationsblutung. 

Die Pille ist ein sehr wirkungsvolles und meist gut verträgliches Verhütungsmittel. Die heute üblichen Hormonkonzentrationen verursachen kaum noch Nebenwirkungen. Vor allem junge Frauen und Mädchen mit noch nicht regelmäßigem Zyklus oder starken Menstruationsbeschwerden profitieren von der Pille. Der Zyklus spielt sich ein und die Menstruationsbeschwerden bessern sich meist deutlich. Die Pille bietet einen sehr sicheren Schutz. 

Da die Frau mit der Pille dem Körper regelmäßig Hormone zuführt, die trotz geringer Dosierung noch Nebenwirkungen haben können oder vorhandene Krankheiten verschlimmern können, muss über die Art und Einnahme der Pille individuell entschieden werden. 

Die wichtigsten Nebenwirkungen der Pille, die abhängig vom Präparat und von der individuellen Neigung sind: zu starke oder zu schwache Monatsblutung, Zwischenblutungen, Wassereinlagerungen, gutartige Geschwulste in der Gebärmutter, Bluthochdruck, Migräne, Auswirkungen auf den Fettstoffwechsel und das Gerinnungssystem, evtl. Diabetesneigung, erhöhte Thromboseneigung. 

Was den Einfluss auf das Wachstum von Tumoren angeht, ist die Wirkung unterschiedlich: für manche Tumore ist das Risiko unter Pilleneinnahme geringfügig erhöht, für andere erniedrigt es sich verglichen mit Frauen die keine Pille einnehmen. 

Voraussetzung für eine zuverlässige Wirkung der Pille ist die regelmäßige Einnahme täglich zum möglichst gleichen Zeitpunkt. 

Die Micropille ist auch dann noch wirksam, wenn ihre Einnahme nicht genau zum selben Zeitpunkt erfolgt, sondern innerhalb von 6-12 Stunden nachgeholt wird. Die Minipille wird anders als die Micropille ohne Pause eingenommen. Es kommt nicht zu einer Abbruchblutung alle 4 Wochen. Die Minipille kann aber auch in der Stillzeit eingenommen werden. Ob und welche Pille in Frage kommt muss für jede Frau einzeln entschieden werden. 

Für Frauen, die Probleme, mit der täglichen Einnahme der Pille haben, gibt es die Alternativen Vaginalring oder Hormonpflaster

In der Wirkungsweise unterscheiden sich beide nicht von der Pille; der Ring verbleibt 3 Wochen in der Scheide, nach dem Entfernen kommt es zu einer Abbruchblutung. Nach 1-wöchiger Pause wird ein neuer Ring von der
Patientin selbst eingelegt. 

Das Pflaster wird 3 Wochen lang 1 x wöchentlich auf die Haut aufgeklebt. Nach dem Entfernen erfolgt auch hier eine Abbruchblutung. Nach einer einwöchigen Pause wird einfach ein neues Pflaster von der Patientin aufgeklebt. 

Die Depotpräparate ( Drei-Monatsspritze) werden in den Muskel injiziert. Sie geben ca. 3 Monate kontinuierlich geringe Mengen Gestagen an den Körper ab und wirken so ähnlich wie die Minipille. Leider kommt es hierbei oft zu langanhaltenden Schmierblutungen. 

Wird die Drei-Monats-Spritze über Jahre hinweg fortgesetzt injiziert, degeneriert die Gebärmutterschleimhaut, und eine lange blutungsfreie Zeit ist die Folge. Außerdem wird durch den langen Östrogenmangel dem Knochen Calcium entzogen, und es kann zu Osteoporose kommen. 

Implanon ist eine Alternative zur Drei-Monats-Spritze. Hierbei handelt es sich um ein Stäbchen, das unter die Haut an die Innenseite des Oberarmes implantiert wird. Durch das Implanon-Stäbchen verändert sich die Monatsblutung: Mit der Zeit werden die Blutungen kürzer, schwächer und weniger schmerzhaft. Bei den meisten Frauen wird der Zyklus unregelmäßig. Eingelegt wird das Stäbchen während der Menstruation, es kann zu jedem Zykluszeitpunkt entfernt werden. Es bietet für 3 Jahre einen sehr sicheren Schutz vor ungewollter Schwangerschaft.

e) Sterilisation

Die Sterilisation ist eine operative, in der Regel nicht mehr rückgängig zu machende Methode der Empfängnisregelung. Sie kann sowohl beim Mann als auch bei der Frau durchgeführt werden. 

Die Sterilisation des Mannes (Vasektomie)

Bei diesem operativen Eingriff werden die beiden direkt unter der Haut des Hodensacks liegenden Samenleiter durchtrennt, so dass keine Samenzellen mehr in den Samenerguss gelangen können.

Die Vasektomie wird von einem Arzt für Urologie oder Chirurgie ambulant unter örtlicher Betäubung durchgeführt. Ein Klinikaufenthalt ist in der Regel nicht erforderlich.

Vorteile

Sie brauchen an Verhütung nicht mehr zu denken.
Der Eingriff ist beim Mann wesentlich leichter durchzuführen und risikoärmer als die Sterilisation der Frau.

Nachteile

Der Eingriff bedeutet einen endgültigen Verzicht auf (weitere) leibliche Kinder. Versuche, den Eingriff rückgängig zu machen, sind nicht immer erfolgreich.
War der Entschluss zur Sterilisation nicht ausgereift, können seelische Probleme auftreten und zu Potenzstörungen führen.

Zuverlässigkeit

Nach dem Eingriff können noch einige Zeit lang Samenzellen im Samenerguss sein. Erst wenn Ihnen der Arzt nach mehrmaliger Untersuchung des Samenergusses mitgeteilt hat, dass keine Samenfäden mehr gefunden wurden, besteht sicherer Schutz vor (weiterer) Vaterschaft.

 

Die Sterilisation der Frau

Bei diesem operativen Eingriff werden, meist in Vollnarkose, die beiden Eileiter der Frau durchtrennt, verschorft oder mit Kunststoff- oder Metall-Clips verschlossen. Es gibt verschiedene Operationsmethoden. Der Eingriff wird meistens ambulant durchgeführt.

Nach dem Eingriff gelangt die Eizelle nur bis zur Unterbrechungsstelle und wird von der Schleimhaut des Eileiters aufgenommen. Sie kann sich nicht mehr mit einer Samenzelle vereinigen.
Die sexuelle Erlebnisfähigkeit verändert sich nicht. Im Verlauf der Operation können (selten) Komplikationen auftreten, wie Narkosezwischenfälle, innere Blutung, Verletzung des Darms u.a.

Vorteile

Sie brauchen an Verhütung nicht mehr zu denken.

Nachteile

Der Eingriff ist endgültig und bedeutet den Verzicht auf (weitere) leibliche Kinder. Versuche, ihn wieder rückgängig zu machen, sind schwierig, die Erfolgschancen gering.
Nach der Sterilisation kann eine Störung in der Hormonproduktion der Eierstöcke auftreten. Dies kann in seltenen Fällen zu Schmierblutungen vor und nach der Regel führen.
War der Entschluss für die Sterilisation nicht reiflich überlegt, können seelische Probleme entstehen.

Zuverlässigkeit

Schwangerschaften nach Sterilisationen sind äußerst selten.

 

f) Pille danach

Bei der "Pille danach" handelt es sich um eine Hormontablette, die Sie nach einem ungeschützten oder unzureichend geschützten Geschlechtsverkehr einnehmen können, wenn Sie befürchten, dass es möglicherweise zu einer Befruchtung kommen könnte bzw. gekommen ist und Sie eine Schwangerschaft verhüten wollen.

Die "Pille danach" kann bis zu 72 Stunden nach dem ungeschützten Verkehr eingenommen werden.

Je früher mit der Anwendung begonnen wird, desto höher ist die Sicherheit. Die "Pille danach" ist keine Verhütungsmethode und nur für den Notfall geeignet. Sie sollte nicht mehr als einmal im Zyklus angewendet werden.

Wirkung

Die Pille danach stört den Aufbau der Gebärmutterschleimhaut und verhindert somit wie die Kupferspirale die Einnistung der befruchteten Eizelle. Die Pille danach kann zusätzlich den Eisprung verzögern oder verhindern und die Beweglichkeit der Eileiter einschränken.

Nebenwirkungen

Es können Übelkeit, Schwindel und Erbrechen nach der Tabletteneinnahme auftreten. Zur besseren Verträglichkeit sollte daher die Einnahme nicht auf leeren Magen erfolgen.

Zuverlässigkeit

Die Sicherheit der "Pille danach" beträgt etwa 97 % bis 99 %. Bis zur nächsten Periode muss weiterhin eine Verhütungsmethode angewendet werden. Es können Zyklusverschiebungen auftreten. Vier bis sechs Wochen nach Einnahme der "Pille danach" ist in jedem Fall eine Nachuntersuchung ratsam.

Kosten

Die Pille danach wird bei Frauen bis zum 20.Geburtstag von der Krankenkasse übernommen, danach ist sie über ein Privatrezept in der Apotheke erhältlich.